Entwarnung: KI kostet bisher kaum Jobs

Viele fürchten, dass KI massenhaft Jobs vernichtet. Eine neue Auswertung zeigt: Die schwache Konjunktur belastet den Arbeitsmarkt stärker.
Künstliche Intelligenz (KI) hat in Deutschland bislang kaum Stellen gekostet. Das zeigt eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Forschenden haben dazu die Daten von rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten zwischen 20 und 64 Jahren verglichen.
Mehr Jobs, wo KI viel kann
Das IAB nennt Berufe „KI-exponiert“, wenn KI dort viele Aufgaben schneller erledigen könnte.
Dazu zählen:
Recht
Unternehmensorganisation
Medien
Naturwissenschaften
In diesen Berufen gab es 2025 rund 1 Prozent mehr Vollzeitjobs als 2022. In den übrigen Berufen sank die Zahl um gut 3 Prozent.
Erfahrung hilft
30- bis 64-Jährige: Die Zahl der Beschäftigten in KI-exponierten Berufen wuchs um fünf bis sechs Prozentpunkte stärker als in anderen Berufen.
20- bis 29-Jährige: In beiden Gruppen sank die Zahl der Beschäftigten. In KI-exponierten Berufen ging sie um 3,8 Prozent zurück, in den übrigen um 2,6 Prozent. Der Abstand beträgt 1,2 Prozentpunkte.
Das IAB vermutet zwei Gründe, warum Ältere besser dastehen:
Sie bringen mehr Erfahrung mit und beurteilen Dinge sicherer.
Viele KI-exponierte Jobs laufen im Homeoffice. Kollegen arbeiten dort räumlich getrennt. Neue Kollegen einzuarbeiten kann schwerer fallen. Betriebe stellen deshalb lieber Erfahrene ein.
Die Konjunktur drückt stärker
Das IAB rechnet Homeoffice und Konjunktur heraus. Bei den 20- bis 29-Jährigen bleibt dann ein zunehmend negativer Zusammenhang mit der KI-Exposition. Die Statistik bestätigt ihn nicht. Das IAB schreibt dazu: „Der negative Zusammenhang mit der Rezession ist hingegen mehr als doppelt so stark.“ Bei jungen Beschäftigten sinkt die Zahl der Jobs stärker im Zusammenhang mit der schwachen Konjunktur als mit KI.
Warnsignal in der Industrie?
Bei den 20- bis 29-Jährigen gibt es zwei Ausnahmen:
das verarbeitende Gewerbe, also die Industrie
nicht akademisch geprägte Berufe
Dort entwickeln sich die Jobs schwächer, wo die KI-Exposition hoch ist. Der Zusammenhang hält statistisch stand. In akademisch geprägten Berufen und im Dienstleistungssektor findet das IAB ihn nicht. Ob KI die Ursache dafür ist, belegt die Studie nicht.
Was die Studie nicht misst
Die Studie misst, wo KI Aufgaben schneller erledigen könnte. Ob Betriebe KI einsetzen, misst sie nicht. Das IAB rät, weiter zu beobachten, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt.
Für Ihren Betrieb heißt das: Die Daten stützen die Sorge bisher nicht, dass KI massenhaft Stellen abbaut. Die Auswertung vergleicht aber Berufsgruppen, keine einzelnen Firmen.
Glossar
KI-Exposition: Anteil der Tätigkeiten eines Berufs, die Sprachmodelle (Software wie ChatGPT) deutlich schneller erledigen könnten. Sie sagt nichts darüber, ob ein Betrieb KI nutzt.
Statistisch nicht gesichert: Ein Ergebnis, das sich auch durch Zufall erklären lässt. Fachleute sagen: nicht signifikant.
Verarbeitendes Gewerbe: Betriebe, die Waren herstellen, etwa im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung oder in der Lebensmittelproduktion.



