Walphabet: KI „liest“ die Sprache der Wale
- Tanja Schmitt / Redakteurin

- vor 7 Tagen
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Pottwale kommunizieren mit Klicklauten, sogenannten Codas. Codas sind kurze, typische Klickfolgen, und jede Coda besteht wiederum aus fünf bis fünfzehn Klicks in einem ganz bestimmten Rhythmus.
Forscher entdeckten dabei Erstaunliches. Waren Schiffe in der Nähe, änderten sich die Klicklaute. So konnten die Wissenschaftler allein anhand der Laute erkennen, ob ein Schiff da war – oder nicht. Warum die Wale das tun, ist hingegen nicht bekannt. Was jedoch sicher ist: Schiffe sind für sie extrem gefährlich, Kollisionen enden oft tödlich.
Hinter diesem „Lauschangriff" der besonderen Art steckt die gemeinnützige Organisation Project CETI (Cetacean Translation Initiative). Das Ziel der Forscher: die Sprache der Pottwale zu entschlüsseln. Vier Jahre lang hörten sie 15 Pottwalen vor der Küste Dominicas zu. Um an die Daten zu kommen, hefteten sie den Tieren zuvor kleine Sensoren an, die mit Saugnäpfen auf der Haut halten. Das Ergebnis: mehr als 1.000 Walrufe.
Künstliche Intelligenz erkennt Muster
Anschließend fütterten sie ein KI-Modell mit den Merkmalen der Rufe: die Anzahl der Klicks, deren Abstände, die Dauer und das Klangbild. Sie ordneten jede Coda der Kategorie „Schiff in der Nähe" oder „kein Schiff" zu. Je klarer die Rufe aufgezeichnet waren, desto treffsicherer wurde die KI – bei guten Aufnahmen lag sie bei rund 90 Prozent. Diesen Zusammenhang hätte ein Mensch in den Rohdaten kaum erkannt. Erst die KI machte das Unsichtbare messbar.
Viele Meerestiere werden lauter, wenn es um sie herum lärmt. Bei den Pottwalen zeigte sich ein anderer Effekt: Sie änderten Geschwindigkeit und Art ihrer Laute. Befand sich ein Schiff in der Nähe, wurden die Klickfolgen kürzer, und ein bestimmter Klicktyp wurde häufiger benutzt als sonst.
Wie so ein Muster aussieht, zeigt der häufige Coda-Typ „1+1+3": zwei einzelne Klicks, dann drei schnelle – zusammen fünf Klicks. Bei Schiffslärm wählten die Wale insgesamt kürzere Codas.
Vom Ozean auf den Bildschirm
Dieses Beispiel zeigt, wozu Künstliche Intelligenz taugt: Sie durchsucht riesige Datenmengen und findet darin Muster, ohne den Inhalt wirklich zu „verstehen". Auch in diesem Fall versteht die KI die Sprache der Pottwale nicht, aber sie erkennt Muster darin und kann daraus Vorhersagen ableiten.
Glossar:
Coda: Eine kurze Serie von Klicklauten, mit der Pottwale untereinander kommunizieren.
KI-Modell: Ein trainiertes Programm, das aus Beispieldaten Regelmäßigkeiten ableitet und auf neue Daten anwendet.
Quellen:
Diamant, R. et al.: „Evidence for the influence of shipping underwater radiated noise on sperm whale coda structure", Ecological Informatics 97 (2026)
heise online: „Forscher nähern sich der Entschlüsselung der Wal-Sprache"
National Geographic: „Hochmodernes KI-Projekt soll die Sprache der Wale entschlüsseln"
WDC Deutschland: „Neue Studie zur Kommunikation von Pottwalen"



