Zellforschung: Wie Künstliche Intelligenz ein drei Jahre altes Rätsel löste
- Tanja Schmitt / Redakteurin

- 5. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Drei Jahre lang lag ein Experiment in der Schublade. Ein Immunologe und sein Team wollten bestimmte Zellen erforschen. Doch die Forscher konnten mit dem Ergebnis nicht viel anfangen. Erst als der Immunologe Künstliche Intelligenz nutzte, bekam er den entscheidenden Hinweis. Hier die ganze Geschichte.
Die Sache mit dem Zucker
Derya Unutmaz forscht am The Jackson Laboratory und an der University of Connecticut. 2022 wollte er wissen, wie Glukose – also Zucker – die Entwicklung von T-Zellen steuert. T-Zellen gehören zur Immunabwehr: Sie bekämpfen Viren, greifen Krebszellen an und unterscheiden gesunde Zellen von Bedrohungen.
Sein Team machte dazu ein Experiment. Ein Teil der T-Zellen bekam wenig Glukose, ein anderer Teil ein glukoseähnliches Molekül namens Desoxyglukose. Die Forscher erwarteten, dass den Zellen in beiden Fällen Energie fehlen würde. Dann die große Überraschung: Die Zellen reagierten völlig unterschiedlich. Warum, das konnten die Forscher nicht herausfinden.
Der entscheidende Hinweis kam von der KI
Ende 2025 dann die Wende: Unutmaz lud die Daten aus dem Experiment in GPT-5 Pro hoch. Das Modell analysierte die Muster und schlug anhand dessen folgende mögliche Erklärung vor: Desoxyglukose bremst die Bildung eines Proteins namens IL-2. Und dieses Protein wiederum hält T-Zellen normalerweise davon ab, sich zu einem bestimmten Entzündungstyp zu entwickeln.
„GPT-5 kam auf diese wirklich bemerkenswerte Erkenntnis, die im Rückblick vollkommen einleuchtet“, sagte Unutmaz. Die Forscher waren schlicht nicht darauf gekommen, weil der Zusammenhang außerhalb ihres Fachgebiets lag.
KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz
Danach wollte Unutmaz GPT-5 Pro auf die Probe stellen. Es sollte den Ausgang eines bislang unveröffentlichten Experiments vorhersagen. Auf Daten aus dem Internet konnte das Modell nicht zurückgreifen – die Ergebnisse waren ja noch nicht veröffentlicht. GPT-5 Pro sagte den Ausgang des Experiments vollkommen korrekt voraus.
Künstliche Intelligenz ist für ihn mittlerweile ein absolutes Muss. Ohne KI zu arbeiten, das wäre „als würde man dir beide Hände wegnehmen". Der Immunologe nutzt GPT-5 Pro, um Experimente zu simulieren und die Ergebnisse vorherzusagen. So kann er schon von vornherein eingrenzen, welche Experimente es überhaupt wert sind, aufwändig im Labor wiederholt zu werden. Diese Methode kann Forschenden Wochen bis Monate, mitunter sogar Jahre Arbeit einsparen.
Die Geschichte zeigt, was künstliche Intelligenz in der Forschung leisten kann. Und sie betrifft mehr, als man denkt: Erkenntnisse über diese Zellen könnten die Krebsforschung, die Behandlung von Autoimmunerkrankungen und den Kampf gegen Infektionen voranbringen.
Trotzdem: Am Ende bleibt der Mensch der entscheidende Faktor. Ohne sein Fachwissen hätte Unutmaz den Hinweis der KI damals gar nicht richtig bewerten können.
So gelingt der KI-Einstieg
Der Immunologe hatte einen Vorteil. Er wusste genau, welche Frage er stellte. Diese Klarheit fehlt bei vielen KI-Projekten in Unternehmen. Beim Cisco AI Summit sagte AWS-Chef Matt Garman, woran KI-Projekte scheitern – meist nicht an der Technik.
Viel zu oft fehlt nämlich eine Antwort auf eine eigentlich einfache Frage: Was soll am Ende besser sein? Heißt das: zehn Stunden weniger Arbeit pro Woche? Oder halb so viele Reklamationen wie bisher? Wer diese Ziele nicht vorab festlegt, wird nie merken, ob sich der ganze Aufwand überhaupt gelohnt hat.
Drei Schritte helfen weiter:
Klein anfangen. Wählen Sie eine konkrete Aufgabe mit messbarem Ziel – etwa die Zeit, bis ein Angebot beim Kunden liegt.
Fachwissen einbinden. Lassen Sie erfahrene Mitarbeiter die KI-Vorschläge prüfen. Sie erkennen, was trägt.
Datenschutz mitdenken. Setzen Sie auf Werkzeuge, die europäische Regeln erfüllen.
Sie möchten wissen, wie sich künstliche Intelligenz sicher und DSGVO-konform nutzen lässt? Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch mit uns.
Anmerkung: Der Artikel basiert hauptsächlich auf einer PR-Veröffentlichung von OpenAI. Er schildert eine Einzelfallbeobachtung, keine unabhängig überprüfte oder peer-reviewte Studie.
Glossar
GPT-5 Pro: Ein leistungsstarkes KI-Sprachmodell von OpenAI, das Texte und Daten analysiert und daraus Vorschläge ableitet.
Glukose: Eine Zuckerart, die Zellen als Energiequelle und zum Aufbau von Proteinen nutzen.
IL-2: Ein Protein (Botenstoff), das die Entwicklung von T-Zellen mitsteuert.
T-Zellen: Immunzellen, die Viren bekämpfen, Krebszellen angreifen und gesunde Zellen von Bedrohungen unterscheiden.



