10 Jahre OpenAI: vom idealistischen Forschungslabor zum globalen KI-Giganten
- 20. Jan.
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Der 11. Dezember 2015 war ein ganz besonderer Tag, zumindest in Sachen Künstlicher Intelligenz. Denn an diesem besagten Freitag wurde OpenAI von einer Gruppe einflussreicher Tech-Visionäre gegründet – darunter Sam Altman, Elon Musk, Ilya Sutskever und Greg Brockman.
Das Ziel war ambitioniert: Künstliche Intelligenz so entwickeln, dass sie der gesamten Menschheit zugutekommt, frei von finanziellen Verpflichtungen und Renditezwängen. Alle Forschungsergebnisse sollten zudem öffentlich zugänglich gemacht werden. Deshalb wurde OpenAI auch nicht als normales Unternehmen gegründet, sondern als gemeinnützige Organisation.
Aller Anfang ist schwer
Die Anfänge verliefen jedoch ziemlich schleppend. Greifbare Forschungsergebnisse blieben aus, erinnert sich der Mitgründer Greg Brockman. Selbst das beachtliche Startkapital von einer Milliarde US-Dollar reichte nicht für die erforderlichen Rechenkapazitäten. „Es war sehr schwierig, Leute dazu zu bringen, riesige Schecks für ein gemeinnütziges Vorhaben auszustellen", so Brockman. Die Zukunft der Firma: ungewiss.
Hinzu kamen interne Spannungen im Vorstand. Elon Musk zeigte sich zunehmend frustriert über den zähen Fortschritt und forderte mehr Macht, um die Entwicklung voranzutreiben. Die anderen Gründer lehnten ab. 2018 kam es dann zum Bruch. Musk verließ OpenAI und mit ihm ein wichtiger Geldgeber. Sam Altman übernahm das Ruder als alleiniger Chef.
Microsoft steigt ein, die Amodeis steigen aus
Die Suche nach Finanzierung ging weiter. 2019 gelang Altman der entscheidende Coup: Er überzeugte Microsoft, im großen Stil zu investieren. 2021 kam es jedoch zu einem weiteren Bruch: Dario Amodei, damals Forschungsleiter bei OpenAI, verließ mit seiner Schwester Daniela Amodei (zuvor VP of Safety & Policy) das Unternehmen. Der Grund waren Meinungsverschiedenheiten über Finanzierungsstrategien und die Microsoft-Partnerschaft. Das Geschwisterpaar gründete daraufhin Anthropic, heute einer der schärfsten Konkurrenten von OpenAI.
Um weitere Geldgeber zu gewinnen, gab es bei OpenAI eine fundamentale Veränderung. In die gemeinnützige Organisation wurde eine gewinnorientierte Einheit eingebettet, ein Schritt, der dem massiven Druck der Investoren folgte. Allein 2025 flossen 40 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen. Große Investoren wie Softbank knüpften ihre Gelder an die Bedingung, dass die vollständige Umwandlung in ein profitorientiertes Unternehmen gelingt.
ChatGPT löst einen KI-Boom aus
Die bereits 2019 eingeleitete strategische Neuausrichtung zahlte sich schon 2022 aus. Als OpenAI Ende 2022 ChatGPT online stellte, verzeichnete der Chatbot bereits am ersten Tag Hunderttausende Nutzer. Das bis dahin außerhalb der Tech-Szene kaum bekannte Forschungslabor rückte schlagartig ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und löste einen weltweiten Boom um Künstliche Intelligenz aus. KI wurde massenkompatibel und kinderleicht nutzbar.
Mit diesem Erfolg habe niemand gerechnet, gesteht Nick Turley, Head of ChatGPT: „Wir dachten, wir bringen eine Demo raus, also einen Prototyp, den die Leute ausprobieren können. Und dann, einen Monat später, schalten wir es wieder runter." Stattdessen entwickelte sich ChatGPT zum globalen Phänomen.
2023 verließ wieder jemand OpenAI, allerdings nicht ganz freiwillig. Der Vorstand entließ völlig überraschend CEO Sam Altman, was massive Mitarbeiterproteste auslöste. Altman wurde daraufhin schnell wieder eingesetzt. Stattdessen verließ Mitbegründer Ilya Sutskever später das Unternehmen und gründete 2024 Safe Superintelligence Inc. (SSI).
800 Millionen Nutzer pro Woche
Laut OpenAI nutzen mittlerweile rund 800 Millionen Menschen wöchentlich ChatGPT. Oder anders ausgedrückt: Fast jeder zehnte Mensch auf der Welt nutzt ChatGPT. In Deutschland setzen laut repräsentativer Forsa-Umfrage rund zwei Drittel der Bevölkerung KI ein – ChatGPT ist dabei das meistgenutzte Tool.
Die Anwendungen von ChatGPT sind vielfältig: Texte schreiben oder verbessern, Nachhilfe, Recherche als Suchmaschinen-Alternative. Doch die Menschen besprechen mit dem Chatbot auch sehr persönliche Themen. Besonders für junge Menschen ist KI zum alltäglichen Begleiter geworden. Mit GPT-5 und dem Videogenerator Sora hat das Unternehmen sein Produktportfolio massiv erweitert.
Die Geschichte von OpenAI zeigt einen dramatischen Wandel: weg von den idealistischen Anfängen hin zu einem gewinnorientierten Unternehmen, das heute als eine der wertvollsten nicht-börsennotierten Firma der Welt gilt. Aber womöglich wird auch das bald ein Relikt der Vergangenheit sein, denn OpenAI plant den Börsengang – es wäre einer der größten der Tech-Geschichte. Die internen Bewertungsdiskussionen reichen von 500 Milliarden bis zu einer Billion US-Dollar.
Quellen:
Forsa-Umfrage: KI-Studie 2025: Generative KI wird zum Massenphänomen
Heise online: OpenAI vor dem Börsengang: Der teuerste Traum der Tech-Geschichte?
OpenAI: Zehn Jahre
