top of page
Strip.png

Exklusive KI-Community,  8 Präsenz-Events mit führenden KI-Experten,  Kuratiertes KI-Wissen on-demand...

Intensives 48-Stunden-Training,  Praxisnahes Lernen mit Experten,  Zertifizierung & Zugang zu Premium-Tools...

Gehirnchip aus China: Gelähmte können wieder greifen

  • 18. März
  • 3 Min. Lesezeit

Querschnittsgelähmte können ihre Hände wieder bewegen – dank eines münzgroßen Chips auf der Hirnhaut. China hat das sogenannte NEO-System als weltweit erstes Land kommerziell zugelassen.


Am 13. März 2026 erteilte Chinas Arzneimittelbehörde NMPA dem Unternehmen Neuracle Medical Technology aus Shanghai die Marktzulassung für das NEO-Gehirnimplantat. NEO steht für „Neural Electronics Opportunity". Es ist das weltweit erste Gehirnimplantat, das kommerziell verkauft werden darf. Alle anderen Systeme wie Neuralink sind noch auf klinische Studien beschränkt.


NEO richtet sich an Menschen zwischen 18 und 60 Jahren, die durch eine Verletzung der Halswirbelsäule vollständig gelähmt sind. Bei dieser sogenannten Tetraplegie funktionieren weder Arme noch Beine. „Es gibt bislang keine wirksamen Behandlungen für Rückenmarksverletzungen", erklärt Chen Liang, Neurochirurg am Huashan-Krankenhaus der Fudan-Universität in Shanghai, der an den klinischen Studien beteiligt war.


So funktioniert NEO


Das münzgroße Implantat wird in den Schädelknochen eingelassen. Acht Elektroden liegen dabei auf der Hirnhaut und nicht im Gewebe selbst – deutlich weniger invasiv als andere Systeme.


Die Elektroden messen die elektrische Aktivität, wenn der Patient sich vorstellt, seine Hand zu bewegen. Diese Signale sendet das Implantat dann drahtlos an einen Computer. Die Software erkennt, ob der Patient greifen oder loslassen möchte. Anschließend steuert das System einen pneumatischen Handschuh, der die gewünschte Bewegung ausführt.


Der Clou: Das Implantat funktioniert komplett ohne Kabel und ohne Batterie. Eine externe Spule auf der Haut versorgt dieses mit Energie und überträgt gleichzeitig die Daten – ähnlich wie bei Cochlea-Implantaten.


Neun Monate Training zeigen deutliche Erfolge


In einer Vorabstudie begleiteten die Forscher einen Patienten über neun Monate. Dieser konnte danach wieder selbstständig essen und trinken.


Die Handfunktion der rechten Hand verbesserte sich messbar: Der Patient konnte Gegenstände greifen, halten und präzise bewegen. Überraschend war, dass sich auch die linke Hand verbesserte, obwohl diese nicht mit dem Handschuh trainiert wurde. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass das Training die neuronalen Verbindungen im Rückenmark stimuliert.


Chen Liang berichtet, dass bislang 32 Menschen das Implantat erhalten haben. Alle konnten mit Hilfe des Handschuhs Greifbewegungen ausführen: eine Fähigkeit, die sie zuvor verloren hatten. Die Ergebnisse der gesamten Studiengruppe werden derzeit zur Veröffentlichung vorbereitet.


Weniger invasiv als Elon Musks Neuralink


Was NEO von Konkurrenten wie Neuralink unterscheidet: Die Elektroden durchdringen nicht das Hirngewebe. Neuralink, das 2016 von Tech-Unternehmer Elon Musk gegründete Unternehmen, setzt seine Elektroden direkt ins Gehirn. Diese Methode liefert zwar präzisere Signale, birgt aber höhere Risiken für Entzündungen und Gewebeschäden.


„Das Gerät scheint sicher zu funktionieren", sagt Avinash Singh, BCI-Forscher an der University of Technology Sydney. Er gibt allerdings zu bedenken, dass die Studiengruppe bislang sehr klein ist.


Gehirn und Rückenmark lernen neu zu kommunizieren


Besonders interessant: Das System nutzt keine elektrische Stimulation des Rückenmarks, wie andere Ansätze. Stattdessen setzt es auf die natürliche Kopplung zwischen Gehirn und Hand.


Wenn der Patient sich vorstellt, zu greifen, sendet das Gehirn Signale nach unten. Gleichzeitig liefert der Handschuh beim Greifen sensorisches Feedback zurück nach oben. Diese Kommunikation scheint die neuronalen Verbindungen an der Verletzungsstelle im Rückenmark zu reaktivieren.


Was bedeutet die Zulassung für Patienten?


Die Zulassung in China ist ein wichtiger Schritt – aber noch keine Lösung für alle Gelähmten. Das System eignet sich nur für Menschen mit Verletzungen im Halsbereich der Wirbelsäule, die noch begrenzte Armbewegungen ausführen können. Zudem konzentriert sich NEO auf Handfunktionen, nicht auf das Gehen oder andere Bewegungen.


Dennoch: Für Betroffene bedeutet die Technologie ein Stück Selbstständigkeit zurück. Alltägliche Tätigkeiten wie Essen, Trinken oder das Greifen von Gegenständen werden wieder möglich. Das verbessert die Lebensqualität erheblich.


Andere Systeme wie Paradromics (USA) oder Neuralink befinden sich noch in Langzeitstudien. Neuralink gab im Januar 2026 bekannt, dass 21 Menschen an Tests teilnehmen. Die NEO-Zulassung zeigt: Der Wettlauf um sichere und wirksame Gehirn-Computer-Schnittstellen ist in vollem Gang.



Glossar


  • BCI (Brain-Computer Interface): Gehirn-Computer-Schnittstelle, die Gehirnsignale in Steuerbefehle umwandelt.

  • NEO (Neural Electronics Opportunity): Gehirn-Computer-Schnittstelle mit Elektroden auf der Hirnhaut.

  • NMPA: Chinesische Zulassungsbehörde für Medizinprodukte.

  • Pneumatischer Handschuh: Mit Luftdruck betriebene Handprothese für Greifbewegungen.

  • Tetraplegie: Vollständige Lähmung aller vier Gliedmaßen durch Schädigung des Rückenmarks im Halsbereich.


Quellen


bottom of page